Inhalt

Städtebaulicher Rahmenplan

Mit dem städtebaulichen Rahmenplan für das Sanierungsgebiet „Neuenhäusen“ sollen konkrete bauliche Maßnahmen fort- und festgeschrieben werden, welche die Entwicklung des Stadtteils in den nächsten 15 Jahren maßgeblich positiv beeinflussen. Aus diesem Grund ist die Erstellung des Rahmenplans für das Sanierungsgebiet „Neuenhäusen“ ein umfassender Prozess, an welchem viele unterschiedliche Akteure beteiligt sind.

Das Planungsbüro Pesch und Partner aus Dortmund baut dabei auf umfangreiche Untersuchungen auf, welche in den vergangenen Jahren zusammengetragen sowie erarbeitet wurden und somit den Grundstein für die bauliche Weiterentwicklung des Stadtteils gelegt haben. Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) und die vorbereitenden Untersuchungen (VU) aus dem Jahre 2017 werden mit dem städtebaulichen Rahmenplan fortgeschrieben und konkretisiert. Zunächst haben die externen Planer das Sanierungsgebiet mit den verantwortlichen Akteuren der Stadt Celle mehrmals besucht und konnten sich so ein Bild vom Stadtteil machen. Die Ergebnisse wurden in einer städtebaulichen Analyse zusammengetragen, welche die baulichen, funktionalen und gestalterischen Probleme aber auch die Qualitäten und Potenziale des Sanierungsgebiets aufzeigen.

Um die breite Öffentlichkeit sowie wichtige Akteure vor Ort einzubinden und zu informieren, wurden im September und Oktober 2020 frühzeitig im Planungsprozess zwei Informationsveranstaltungen angeboten. An den Terminen informierten sich insgesamt rund 120 Bürgerinnen und Bürger und brachten ihre Anregungen und Vorschläge mit in den Prozess ein. Weiterhin wurden die Rahmenbedingungen des Sanierungsprozesses und die ersten Ergebnisse der Bestandsanalyse zusammengefasst.

Aus den Ergebnissen der Analyse und den Anregungen der Teilnehmenden wurden Leitbildideen für das Sanierungsbiet entwickelt, welche den übergeordneten Rahmen für die zu entwickelnden Maßnahmen bilden. Die übergeordneten Leitbildideen betreffen die Themen Wohnen, die verschiedenen Nutzungen im Sanierungsgebiet, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Mobilität, die zukunftsfähige Gestaltung von Plätzen, Straßen und Wegen sowie die Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Stadtteil.

Weiterhin wurden verschiedene Experten- und Multiplikatorengespräche geführt, durch welche die Notwendigkeiten und Anforderungen für die Entwicklung des Sanierungsgebiets weiter vertieft werden konnten. Hierzu gab es drei Gespräche mit den Themen „Gestaltung, Mobilität und Infrastruktur“, „Funktionsvielfalt und Versorgungssicherheit“ und „Gemeinschaft und Zusammenhalt“. In den Gesprächen kamen verschiedenste Akteure zu Wort und konnten ihre Ideen und Erfahrung aus Ihrer Arbeit im und mit dem Stadtteil einbringen.

Auszüge aus den aktuelle Arbeitsergebnisse der Rahmenplanerstellung

Stärkenanalyse

Die historischen und überwiegend durch geschlossene Blockrandbebauung geprägten Bereiche im nordöstlichen Sanierungsgebiet werden durch teils diffuse und gewerblich geprägte Bereiche im Westen und Süden kontrastiert. Obwohl die im Sanierungsgebiet vorhandenen unter- und ungenutzten Flächen sich negativ auf dessen städtebauliches und funktionales Erscheinungsbild auswirken, bieten sie große Potentiale für Entwicklung Neuenhäusens. Insbesondere die drei Vertiefungsbereiche (Stadtwerkegelände, Umfeld Kreisverkehr Wiesenstraße sowie der Bereich zwischen Jäger- und Kirchstraße) stellen bedeutende Entwicklungspotentiale dar, um weitere Nutzungen und Wohnbauflächen auszuweisen und somit die Vielfalt im Stadtteil auszubauen.

Durch die historische Stadtstruktur ergibt sich ein abwechslungsreiches System aus bebauten und unbebauten Flächen, die den Charakter Neuenhäusens maßgeblich bestimmen. Die Fuhse mit ihren Uferbereichen bildet das freiräumliche Rückgrat. Sie durchzieht das Sanierungsgebiet, bildet Aufenthaltsqualitäten aus, schafft eine Verbindung in die umliegenden Stadt- und Freiräume und erfüllt darüber hinaus positive kleinklimatische Effekte. Mit dem Neuenhäuser Friedhof sowie einigen kleinteiligen Freiräumen bestehen zudem weitere wohnortnahe Freiräume, die das Stadtbild prägen und wichtige Funktionen als Treffpunkt und Veranstaltungsfläche bieten. Darüber hinaus sind die Triftanlagen sowie der Französische Garten fußläufig zu erreichen und bieten ergänzende Erholungs-, Verweil- und Bewegungsangebote.

Unterstütz wird dies dadurch, dass das Sanierungsgebiet ein umfangreiches Nahversorgungsangebot bietet. Der Branchenmix ist dabei sehr vielfältig und bezüglich des angebotenen Sortiments als attraktiv zu bewerten. Speziell im Bereich der Bahnhofstraße, der Breite Straße und im Bereich des Kreisverkehrs an der Wiesenstraße wird dies durch die vielen Anbieter sowie eine Vielzahl an Gewerbe- Dienstleistungs- und Gastronomieangeboten deutlich. Die Grundversorgung an Lebensmitteln wird dabei durch den Combi-Markt an der Trüllerstraße gedeckt.

Darüber hinaus übernimmt das Sanierungsgebiet eine wichtige Funktion als Wohnstandort. Kurze Wege, das abwechslungsreiche Freiraumangebot und die direkte Nähe zu den Versorgungsangeboten in und um Neuenhäusen wirken hierbei positiv auf den Ort ein. Auch die gut ausgebaute soziale Infrastruktur stärkt die Funktionsvielfalt und Versorgungssicherheit. Die Nähe zwischen den verschiedenen Nutzungen und Funktionen ist dabei als bedeutender Standortvorteil zu verstehen und wirkt sich positiv auf die Wohnqualität Neuenhäusens aus.

Schwächenanalyse

Trotz der vielfältigen Stärken zeigen sich einige gestalterische und funktionale Defizite im Sanierungsgebiet Neuenhäusen. Insbesondere bezüglich der Gestaltung des historischen Stadtbildes und der Freiräume besteht Bedarf zur Aufwertung und Weiterentwicklung. So beeinträchtigen aufwertungsbedürftige Straßenräume und Platzflächen mit zusätzlichem Gestaltungspotential das Stadtbild. Auch sanierungs- und modernisierungsbedürftige oder sogar leerstehende Gebäude wirken negativ auf das Stadtbild ein.

Die öffentlichen Grün- und Freiräume lassen nur geringe freiräumliche Qualitäten erkennen. Es fehlen Sitz- und Spielmöglichkeiten sowie ein einheitliches Mobiliar und Beschilderungen, wodurch die Aufenthalts- und Gestaltqualität beeinträchtigt wird. Auch die Erreichbarkeit der Freiräume und Anziehungspunkte sowie deren Vernetzung untereinander wirkt verbesserungswürdig. So ist speziell die Fuhse als innerstädtischer Landschaftsraum nur an wenigen Stellen zugänglich und damit nicht in das Stadtgefüge integriert.

Dieser Eindruck wird durch die oftmals mangelnde Gestaltung der rückwärtig an die Fuhse grenzenden Gebäude entlang des Fuhserandwegs verstärkt, wodurch dieser als Angstraum wahrgenommen wird. Die Vielzahl verschiedener Möblierungselemente und verwendeten Materialien im öffentlichen Raum sowie die teils unpassenden Gestaltungen bewirken in einigen Bereichen ein unharmonisches Gesamtbild und beeinträchtigen damit den Wiedererkennungswert der öffentlichen Räume. Aufgrund des hohen Versieglungsgrades besteht nur ein geringer Anteil an öffentlichen Grünflächen, was sich negativ auf das Kleinklima auswirkt.

Die Wahrnehmung des Sanierungsgebiets wird in besonderem Maße durch die Hauptzufahrten Bahnhofstraße, Breite Straße, Jägerstraße, Fuhsestraße und Neuenhäuser Straße/Trüllerstraße beeinflusst. Sie werden städte-baulich wie verkehrlich als deutliche Zäsur wahrgenommen. Sowohl ihre Barrierewirkung als auch die aufkommenden Verkehrsbelastungen und -emissionen beeinträchtigen das Sanierungsgebiet. In diesem Zusammen-hang ist deren Straßenraumgestaltung sowohl aus gestalterischer als auch funktionaler Betrachtung verbesserungswürdig. Insbesondere bezüglich des Straßenquerschnitts wird deutlich, dass Fuß- und Radwege nur unzureichend ausgestattet und größtenteils nicht barrierefrei sind. Gehwege sind in weiten Teilen trotz großen Verkehrsaufkommens sehr schmal bemessen und werden zudem durch verschiedene Hindernisse beeinträchtigt. Markierungen für Radfahrbereiche, wie beispielsweise Schutzstreifen, fehlen oftmals gänzlich. Darüber hinaus bedingt das große Angebot an Parkplätzen, dass das Stadtbild aufgebrochen wird und das Auto sehr dominant erscheint.

In diesem Zusammenhang wird ebenso deutlich, dass die übergeordneten Eingangssituationen nach Neuenhäusen nur schwer ablesbar sind. Die Gestaltung der Stadteingänge ist häufig durch städtebaulich wenig qualitätvolle, gewerbliche Strukturen charakterisiert. Die identitätsstiftende Prägung des Ortes wird dadurch benachteiligt. Vor allem die Eingangssituation über den Kreisverkehr an der Wiesenstraße präsentiert sie sich durch räumlich nicht gefasste Straßen und Brachflächen, sodass das wahrgenommene Stadtbild undefiniert und unvollständig wirkt.

Die fehlende städtebauliche Definition setzt sich über die Eingangssituationen auch an weiteren Stellen im Sanierungsgebiet fort. In diesem Zusammenhang sind kleinere Baulücken und insbesondere die drei Vertiefungsbereiche zu nennen. Die Flächen weisen deutliche gestalterische und funktionale Defizite auf und werden damit ihrer Lage im Stadtgefüge nicht gerecht. Die städtebauliche Neuordnung dieser Bereiche ist damit wesentliche Aufgabe, um die städtebaulichen und funktionalen Missstände in Neuenhäusen zu beheben.

Innerhalb der Nutzungsstruktur zeigen sich geringfügige Defizite bezüglich der Versorgungs- und Wohnqualität. Bezüglich der Nutzungsstruktur ist vor allem das Fehlen eines Treffpunktes zu nennen, der allen Nutzergruppen offensteht und das soziale Leben Neuenhäusens bündelt. Auch die teilweise vorhandenen Leerstände wirken sich, insbesondere an den prägenden Straßen und Plätzen, negativ auf die Nutzungsstruktur und das Stadtbild aus. So zeigen sich an einigen Stellen im Stadtteil durch Gewerbebetriebe ausgelöste Nutzungskonflikte, die die Wohnqualität und das Stadtbild negativ beeinflussen.