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Sanierung

Stadtsanierung

Zentrales Ziel der Sanierungsmaßnahme Altstadt-Celle im Rahmen des Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ (seit 2020 "Lebendige Zentren - Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne"), ist es durch geeignete, aufeinander abgestimmte Maßnahmen in der Celler Innenstadt langfristig nachhaltige Strukturen herzustellen, die der besonderen historischen Bedeutung der baukulturell herausragenden Altstadt gerecht werden. Die oberste Priorität für die Altstadt Celles ist der Erhalt der besonderen historischen Stadtstrukturen und baulichen Anlagen als prägnantester Gesichtszug und besonderes Charakteristikum der Stadt.

Weiterführende Ziele zur nachhaltigen Sicherung und Entwicklung der Innenstadt im Oberzentrum Celle sind die Stärkung der zentralen Versorgungslage sowie der integrierten Wohn- und kulturellen Qualitäten für verschiedene, auch älter werdende Bevölkerungsgruppen und die Steigerung der Attraktivität für Touristen.

Die umfassende Vorbereitung und Umsetzung der angestrebten Entwicklungen als Gesamtkonzept kann durch die Förderung der Stadt Celle mit Mitteln der Städtebauförderung gesichert werden, um die städtebaulichen vorherrschenden Mängel- und Missstände zu beseitigen und die gesetzten Sanierungsziele zu erreichen.

Der Rat der Stadt Celle hat in seiner Sitzung am 26.08.2010 die „Satzung der Stadt Celle über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Altstadt Celle“ beschlossen, die mit der Bekanntmachung im Amtsblatt für den Landkreis Celle Nr. 22 am 29.12.2010 in Kraft getreten ist. Die ortsübliche Bekanntmachung folgte in der Celleschen Zeitung am 22.01.2011.

Sanierungsziele

Das Städtebauförderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ (seit 2020 "Lebendige Zentren - Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne") des Bundes und der Länder hat zum Ziel, bau- und kulturhistorisch wertvolle Stadtkerne über die jeweiligen Einzeldenkmale, Straßen und Plätze hinaus in ihrer baulichen und strukturellen Eigenart und Geschlossenheit zu erhalten und zukunftsweisend weiter zu entwickeln. Die Celler Altstadt mit ihrem unverwechselbaren Fachwerk prägt den Charakter der ganzen Stadt. Sie ist das Aushängeschild Celles, zieht Besucher und Kunden an und ist somit ein maßgeblicher Faktor für die Entwicklung von Zentralität und Wirtschaft in Celle.

Allgemeine Sanierungsziele

Das herausragende Erbe an Fachwerkbauten im Altstadtensemble und seiner historisch geprägten Umgebung in der Innenstadt soll bewahrt und mit den modernen Nutzungsansprüchen in Einklang gebracht werden. Zur Entwicklung der vielfältigen Potenziale sollen insbesondere die Bedeutung und die Belebung der Altstadt als Wohn- und Handelsstandort gefördert werden. Die Celler Altstadt soll auch weiterhin die zentralen Nutzungen und Einrichtungen beherbergen. Leerstand soll abgebaut werden und die Wohnfunktion gestärkt werden. Dazu ist es nötig, den Bestand an Baudenkmälern und sonstigen bedeutsamen historischen Gebäuden, Gebäudeteilen und Anlagen zu sichern, die Ensembles behutsam zu ergänzen, aber auch störende Elemente zu beseitigen oder umzugestalten sowie die Gebäude nachhaltig nutzbar zu machen. Auf diese Weise soll die Altstadt nachhaltig als unverwechselbarer Standort für Kultur, Tourismus, Einzelhandel, öffentliche und private Dienstleistungen, Gastronomie sowie für qualitätsvolles innerstädtisches Wohnen weiter entwickelt werden. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind dabei auch die Bedürfnisse der älteren Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen.

Leitziele

  • Sicherung und behutsame Ergänzung der bedeutenden historischen Ensembles und Einzelgebäude in der Innenstadt
  • Aufwertung von Straßen- und Platzräumen innerhalb des historisch geprägten Stadtraums nach einheitlichen Gestaltungskriterien unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte
  • Aufwertung und Vernetzung der historischen Parkanlagen
  • Erhalt und Erlebbarmachung denkmalgeschützter Gewässer (Stadtgraben / Magnusgraben) im Stadtbild

Den Leitzielen ist ein Erneuerungskonzept mit Maßnahmen zugeordnet, welche der Erreichung der Sanierungsziele dienen. Dieses Konzept wurde in den Vorbereitenden Untersuchungen ausgearbeitet und im städtebaulichen Ideenwettbewerb vertieft und dient als Handlungsleitfaden für die weitere Umsetzung der Gesamtmaßnahme.

Besonderheit Fachwerk

Vorherrschend in der Altstadt ist der Fachwerkbau. Die Giebel stammen aus verschiedenen Jahrhunderten, die ältesten aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. Traufenhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts fügen sich ein, sind aber häufig mit Zwerchgiebeln versehen. Die älteren Häuser mit zum Hof führender Durchfahrt weisen noch auf das frühere Ackerbürgertum der Bewohner hin.

Ab 1600 erhielten manche Häuser, zum Teil nachträglich, vorspringende Erker oder bis zum Boden reichende sog. „Utluchten‘. Vielfach ragen die Stockwerke vor. Zunächst noch niedrig, werden sie allmählich höher. Die Ständer sind meist senkrecht übereinander angeordnet; die Balkenköpfe ruhen häufig auf reich profilierten Knaggen.

Mehr oder minder reiches Schnitzwerk sowie Inschriften zeigen vor allem die Stockwerkschwellen, wobei die Art der Ornamentik Rückschlüsse auf das Alter des Hauses zulässt.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Altstadtbild durch unharmonische Einfügung moderner Bauten empfindlich gestört, und erst in neuerer Zeit hat man sich bemüht, diesem Trend Einhalt zu gebieten. Man begann ferner damit, die Fachwerkhäuser instandzusetzen und sie mit farbigen Anstrichen zu versehen, um die Holzkonstruktionen und Schnitzereien besser hervortreten zu lassen. Die Stadt Celle möchte das alte Stadtbild soweit wie möglicherhalten.

Denkmalschutz und Genehmigungspflicht

Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz beschreibt, was zum Schutz der Kulturdenkmale zu tun ist. Für denkmalgeschützte Gebäude wurde festgelegt, dass diese zu erhalten und zu schützen sind und dass Instandhaltungs- und Baumaßnahmen genehmigungspflichtig sind. Darüber hinaus sagt das Denkmalschutzgesetz auch, dass für Baudenkmale eine Nutzung anzustreben ist, die ihre Erhaltung auf Dauer gewährleistet. Die Denkmalschutzbehörde unterstützt die Eigentümer hierbei.

Bei allen Planungen rund um denkmalgeschützte Gebäude innerhalb des Sanierungsgebietes Altstadt empfiehlt es sich, frühzeitig Kontakt mit der Städtebauförderung und der Denkmalschutzbehörde aufzunehmen, um die Weichen für gleichermaßen denkmal- und nutzungsgerechte Lösungen zu stellen.

Historie der Stadt

Stadtgründung 13. Jahrhundert

Das Stadtgebiet erstreckte sich 1292, zur Zeit der Stadtgründung“ zwischen den heutigen Straßen Weißer Wall, Nordwall, Stechbahn und Zöllnerstraße. Die Richtung der Haupthandelswege nach Braunschweig, Bremen, Hannover und Nienburg spiegeln sich im Stadtgrundriss wider. Am Kreuzungspunkt entstand im Mittelpunkt der neuen Stadt das Rathaus, das an herausgehobener Stelle als einziger repräsentativer Profanbau neben der Bürgerkirche St. Marien liegt. Beide Gebäude entstanden zurzeit der Stadtgründung und enthalten noch heute Bauteile aus dieser Zeit.

Die ursprüngliche Form der im 13. Jahrhundert neu angelegten Stadt war durch eine Talsandinsel im Zusammenfluss von Aller und Fuhse vorgegeben. Das Areal erstreckte sich von Osten nach Westen in einer Länge von 450 Meter und Breite von 250 Metern. Hier wurden im Laufe der Zeit die Straßen schachbrettartig angelegt. Vermutlich war die Bebauung zunächst sehr viel lockerer als in heutiger Zeit, in der die Fachwerkhäuser dicht aneinander gereiht die Straßen säumen. Die ältesten heute noch vorhandenen Fachwerkhäuser stammen aus dem 16. Jahrhundert.

15. Jahrhundert

Gut 150 Jahre nach der Stadtgründung wird eine „Neue Straße“ parallel zwischen Schuh- und Zöllnerstraße erwähnt: Ein Hinweis darauf, dass die Bevölkerungszahl sich erhöht hatte und neue Bauplätze nötig waren. Ursache war sicherlich die Tatsache, dass Celle seit 1433 ständige Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg geworden war. Auch die Celler Burg wurde zu dieser Zeit ausgebaut. Herzog Friedrich der Fromme errichtete 1452 auch ein Franziskanerkloster. In der Reformation wurden die Mönche jedoch vertrieben und das Gebäude abgerissen.

16. Jahrhundert

In dieser Zeit um 1530 erfolgte eine weitere Vergrößerung der Stadt unter Herzog Ernst der Bekenner, der die alte Blumenlage – eine vor der Mauer entstandene Siedlung – mit in das städtische Territorium einbezog. Gleichzeitig wurde die Stadt Celle auch durch Ausbau der Stadtmauer und Anlage von Wall und Graben zu einer Festung umgestaltet, die hundert Jahre später während des 30-jährigen Krieges durch die Anlage von Schanzen vor den drei Stadttoren noch verstärkt wurde.

17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert erreichte die Stadt mit rund 500 Häusern eine Bebauungsdichte, die bis auf die Nebengebäude kaum noch verändert werden konnte. Noch heute umfasst die Altstadt ca. 500 denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. Als Herzog Georg Wilhelm 1665 in Celle die Regierung antrat, bot die dicht bebaute mittelalterliche Anlage der Stadt kaum Wohnraum für den stark angewachsenen barocken Hofstaat. So stellte er 1680 seinen Plan zur Anlage einer Neustadt vor dem Westceller Tor vor, die dort auf einem drei Kilometer langen Areal entstehen sollte. Der Plan sah vor, ausgehend von einer Prachtstraße, parallel und rechtwinklig verlaufende Straßen anzulegen. An der Hauptstraße sollten nur große Häuser mit Hof und Garten entstehen, in den parallel dahinter verlaufenden Straßen die kleineren Häuser der Handwerker.

18./19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert verlor die Festungsanlage immer mehr an militärischer Bedeutung, die Wälle wurden im Laufe der Zeit erniedrigt und die Gräben verkleinert, bis am Ende des 19. Jahrhunderts die Wälle vollends abgetragen wurden. Heute erinnern noch die Straßennamen Nord- und Südwall sowie Westcellertor-, Hehlentor- und Altencellerstraße an die einstige Befestigungsanlage.

Celle blieb auf seine alten Grenzen – die heutige Innenstadt – beschränkt. Unabhängig davon entwickelten sich vor den Stadtwällen die Vorstädte immer besser: die Blumlage im Osten, die schon im Mittelalter bestand, Neuenhäusen und die Neustadt vor dem Westceller Tor, die im 17. Jahrhundert dazu kamen, und das Hehlentorgebiet nördlich der Aller, das Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr besiedelt wurde. 1864 hatte die Innenstadt 5309 Einwohner, die vier Vorstädte aber zusammen schon 9613 Einwohner. Schon 1797 war die Idee entstanden, Stadt und Vorstädte zu vereinen. Erstmals praktisch umgesetzt wurde dies in Napoleonischer Zeit, als Celle 1810 bis 1813 französisch besetzt war. Danach kehrte man dann wieder zu den alten Formen zurück, so dass erst 1869 Stadt und Vorstädte vereinigt wurden.

Quelle: Sabine Maehnert, Stadtarchiv Celle, Celle 2010